Das alte Elefantenhaus

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Das unter Denkmalschutz stehende alte Elefantenhaus ist das älteste erhalten gebliebene Tierhaus des Kölner Zoos. Es wurde 1863 im maurischen Stil als Antilopenhaus gebaut. Erst einige Jahre später wurde für die Elefantenhaltung ein stilgerechter Anbau errichtet. Es ist schon ein hübscher Anblick mit seinen Schnörkeln, Rundbögen und den Säulen im Inneren. Artgerechte Haltung und Tierschutz spielten im 19. Jahrhundert ja noch keine Rolle. Damals war es wichtiger, den Besuchern exotische Tiere in einer prachtvollen Behausung zu präsentieren. Diese Zeit ist zum Glück lange vorbei!

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Seit meinen frühen Kindertagen in den 1950ern kenne ich das Gebäude als Elefantenhaus, in dem auch Flusspferde, Tapire und verschiedene Antilopenarten in viel zu kleinen Gehegen gehalten wurden. Seit den 1980ern ist die gesamte Westseite des Gebäudes Nashorn Revier. Hier auf der Ostseite war die Freianlage der Elefanten. Nur durch einen Wassergraben getrennt, konnte man die Elefanten aus nächster Nähe bestaunen. Damals lebten hier allerdings nur die beiden asiatischen Elefantenkühe Rani und Savani. Der Wassergraben, der den Elefanten auch zum Baden diente, ist jetzt zugeschüttet und mit Rasen bepflanzt. Man erkennt im Boden aber noch die äußere Mauer.

Pict0033Ein eingescanntes altes Dia von ca 1970 zeigt Rani beim Baden.

(Die kleinen Bilder vergrößern durch Anklicken)

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Die ehemalige Elefantenfreianlage ist jetzt für Besucher offen. Gelegentlich wird die Anlage auch für Ausstellungen und verschiedene Veranstaltungen genutzt. Die aufgestellten Nashorn Silhouetten symbolisieren die Abnahme des Bestandes der wildlebenden Spitzmaulnashorn Population von 1970 (noch ca 65.000), 1980 (15.000) bis 2005 (nur noch 3.600). Im Inneren des Hauses sind weitere Infotafeln aufgestellt.

Wenn man hier auf der Anlage steht, wird einem erst so richtig bewusst, wie wenig Platz die Elefanten zur Verfügung hatten. Immerhin lebten hier über 20 Jahre lang 5 ausgewachsene Elefanten.

Geschichte der Kölner Nachkriegselefanten aus eigener Erinnerung:
1968 bekamen die alten Damen Rani und Savani Zuwachs durch  ein junges asiatisches Elefantenmädchen, Mithuri. 1969 folgten zwei junge afrikanische Elefantenkühe Pretoria und Tanganjika, kurz Preti und Tanga genannt. In den 1980er Jahren begannen die Tierpfleger mit Beschäftigungsprogrammen gegen das stumpfsinnige Herumstehen und Rüsselschaukeln ihrer Schützlinge. Sie studierten kleine Kunststücke mit den Elefanten ein, die dann den Besuchern vorgeführt wurden. Diese Zirkusnummern waren bei den Besuchern sehr beliebt. 1988 griff Mithuri einen Pfleger an und verletzte diesen sehr schwer. Die Vorführungen wurden fortan untersagt. Mithuri wurde eingeschläfert. Bei der Obduktion wurde ein Hirntumor festgestellt. 1991 verstarb die alte Rani, 1997 folgte Tanga. Von da an waren Preti und Savani allein auf der Anlage.

Im Sommer 2004 eröffnete der Kölner Zoo einen großen Elefantenpark mit dem Ziel, asiatische Elefanten in einem Herdenverband zu halten und zu züchten. Das neue Haltungskonzept (Protected Contact) ohne direkten Kontakt soll Unfälle mit Tierpflegern vermeiden helfen. Die Afrikanerin Preti kam dafür nicht in Frage. Der alten Savani wollte man den Umzug aus ihrer vertrauten Umgebung und Rangordnungskämpfe mit anderen Kühen ersparen. Die beiden sollten also weiterhin im alten Haus bleiben. Allerdings verstarb Savani Ende Dezember 2004. Preti sollte dann nicht länger in Einzelhaltung verbleiben und wurde im März 2005 an den französischen Zoo Planète Sauvage abgegeben, wo sie in eine Gruppe afrikanischer Elefantenkühe integriert wurde. Damit hat 2005 der letzte Elefant dieses alte Elefantenhaus verlassen.

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Hier auf der Nordseite war die Außenanlage mit Wasserbecken für Flusspferde.  Diese zogen 2010 in den neuen Hippodom um, wo sie optimalere Lebensbedingungen haben. Jetzt leben hier Stachelschweine. Auch die Sitatunga Antilopen, deren Gehege und Stall auf der Südseite war, siedelten in die Außenanlage des Hippodoms um. Ihr altes Gehege bewohnen seitdem Pinselohrschweine. Die gesamte Westhälfte des Hauses (Ställe und Außenanlage) ist seit den 1980ern Nashorn Revier. Heute wohnt dort der Spitzmaulnashorn Bulle Taco ganz allein.  So ist das alte Elefantenhaus heute eigentlich das Nashornhaus.

Zum Abschluß noch ein paar Einblicke in das Innere des Hauses: